Vorbemerkungen
Ende
des vergangenen Jahres begann ich, mit 41 Jahren, meine dritte Transalp mit dem
Moutainbike zu planen. Als ideale Reisezeit empfinde ich Ende August, Anfang September.
Diesmal wollte ich alleine von Kochel nach Bozen fahren. Als Routenvorschlag diente mir
das Buch Transalp von Toni Wölfinger und der Faxabruf der Zeitschrift Bike. Die
Tabaccokarten für die Tour zu organisieren war ein kleines Problem, da nicht jeder
Buchladen diese Karten besorgen kann und man keine Kartenschnitte bekommt. Der
Alpinaverlag in Aschheim konnte dann beides leicht besorgen.
Als
Ausrüstung habe ich ca 6,5 kg Gepäck auf dem Rücken, 1,0 l Wasser in einer Aluflasche
in der Seitentasche des Rucksacks. Am Fahrrad waren noch eine 1l Satteltasche mit dem
Tagesproviant und eine ¾ l Flasche Wasser.
Nachdem
die Route im Winter grob geplant worden war, machte ich im Sommer mit allen Karten die
Feinplanung. Im Internet fand ich die www.Bikearena.it von Kurt Resch. Er hat mir auch bei
Planung der letzten Etappen geholfen. Ich hatte erst überlegt, ob ich jedes Mal vor Ort
eine Unterkunft suche, habe mich aber dann entschieden, die Übernachtungen vorher zu
buchen. Damit zwingt man sich mehr auf den ausgesuchte Route zu bleiben und muß auch
nicht lange vor Ort suchen. Als Biker ist man nicht überall sofort willkommen und erspart
sich ev. Absagen.
Die
An + Abreise erfolgte mit der Bahn. Das hat den Vorteil, daß man die Nächte zum Reisen
nehmen kann und dann kaum Zeit für die Route verliert.
Ohne
alpine Erfahrungen sollte man eine Transalp nicht allein durchführen. Erst mehrere
Mehrtagestouren zu Fuß und zwei Transalps mit dem Bike geplant und durchgeführt, haben
mir die Sicherheit für eine Transalp allein gegeben.
Bei
solch einer Tour fallen täglich zwischen 1500-2200 HM Anstieg und ca. 60 km Distanz an.
Für
Fragen, Routenplan oder Packliste stehe ich gerne unter arminfried@genion.de zur Verfügung.
1
Tag Samstag
Frühmorgens bin ich in Kochel angelangt. In einem Supermarkt kaufe ich mir erst einmal Wasser, um meine Flaschen aufzufüllen. Auf der Straße zum Kesselberg nerven die Autos gewaltig. In Urfeld biege ich links ab und schon ist Ruhe. Der Walchensee liegt ruhig und blau vor mir. Es ist blau weißes Kaiserwetter. Das Ostufer des Walchensees ist ein Genuß zum Fahren, die Sicht ist himmlisch. Der Übergang über den Galgenwurfsattel ist fahrtechnisch nicht schwierig, aber man muß aufpassen, daß man sich nicht verfährt. Auch das Isartal ist an diesem Tag eine Augenweide. Im Rißbachtal mache ich an der Garberlalm Pause und esse Mittag. Danach geht es in mittlerweile sengender Hitze weiter durch den wunderschönen Ahornboden zur Engalm. Kurz vor der Binsalm, am steilsten Stück, muß ich dann doch schieben. Der Weg zum Tagesziel der Lamsenjochhütte ist für mich nicht fahrbar, also wird auch hier meistens geschoben und hin und wieder getragen. An diesem Anstieg brennt die Sonne dermaßen auf den Körper, daß ich im Schatten Pause mache. An der Hütte, zum Abendessen, nach Wäsche waschen und etwas Ausruhen, treffe ich weitere Biker. Mit Peter und Mandy wird dann beim Weißbier erzählt. Die Sonne, die Anstrengung, die Anreise und das Weißbier haben mich müde gemacht, also gehe ich bald ins Bett. Am nächsten Tag merke ich erst, das ich 300 ATS verloren habe.
Walchensee
2.
Tag Sonntag
Die Sonne scheint schon am frühen Morgen warm. Der Wetterbericht sagt allerdings Regen voraus. Die Biker vom Vorabend haben nach genügend Weißbiergenuß draußen übernachtet und sind früh am Morgen wegen der Kälte schon losgefahren. Der Abstieg von der Lamsenjochhütte nach Vomp ist im oberen Teil sehr steil und voll groben Schotter. Ich kann nur sehr langsam und vorsichtig fahren und beim kleinsten Fehler wäre sofort ein unangenehmer Sturz daraus geworden. Von Vomp geht es dann ins Zillertal nach Aschau. Hier ist es 10:45, der Magen meldete sich, aber man kann in den Gasthäusern noch kein Mittag bekommen. Nun ja, auf der weiteren Route wird es noch genug Gasthäuser geben. In Aschau weiter auf die Zillertaler Höhenstraße. Der Anstieg in der Sonne ist steil, heiß und schwül. Schon früh muß ich den kleinsten Gang einlegen. Der Hunger wird größer. Selbst Traubezucker in Gelform löst das Hungerproblem nicht. Zudem bedeckt sich der Himmel und es wird jetzt kalt. Die Pausen werden öfter und länger. Keine Einkehrmöglichkeit zu sehen. Auf einmal ist Stimmungsmusik zu hören. Dann sehe ich die Hirschbichlalm. Dies soll meine Einkehrrast werden. Jedoch bis dahin wird der Weg wieder steiler, der Hunger größer und die Moral schlechter. Sogar 300 m vor der Alm muß ich Pause machen, weil nichts geht. Dort angekommen war es bitterkalt (ca 8° C ) aber eine Riesenstimmung bei Zillertaler Volksmusik. Irgendwie fühlte ich mich als einziger Biker fehl am Platz. Nach einer ausgiebigen Mahlzeit und mit der Welt wieder im Reinen fuhr ich dann bei Regen weiter auf die Rastkogelhütte. Hier hatte ich ein schönes Zimmer und konnte das erste Mal wieder duschen.
Blick ins Zillertal
3
Tag Montag
Es regnet. Der Wetterbericht sagt Regen bis Mittag voraus. Was tun? Ich warte auf der Hütte bis Mittag und höre den Wetterbericht. Die Zeit wird für diese Tagesetappe langsam knapp. Im Geist male ich mir eine Änderung der gesamten Transalp aus. Tatsächlich lässt der Regen am Mittag nach. Ich schwinge mich auf das Fahrrad und ab geht es nach unten. Zwischen Zell und Mayrhofen macht es klack und der Tacho ist defekt. Er hat den Regen wohl nicht vertragen. In Mayrhofen esse ich Mittag und bei dunklem Wetter werde ich nachdenklich. Ich mache mich trotzdem auf. Die Tunnel zum Schlegeisstausee, meine größte Sorge, sind erleuchtet und haben sogar kleine Randsteine, auf die man sich im Zweifel stellen kann, falls Autos kommen. Es kommen aber keine, als ich im Tunnel bin. Am Schlegeisspeicher mache ich Pause und esse am Kiosk Kuchen. Jetzt graupelt es wieder und ist kalt. Als ich weiterfahre, hat es aufgehört und es bleibt trocken. Jedoch ist der Weg zum Pfitscher Joch so voller Steine, daß man die meiste Zeit schieben muß. Gegen 18:00 Uhr erreiche ich das Pfitscher Jochhaus. Das Haus liegt im Abendrot und ich mache Fotos. Draußen stehen und liegen eine Menge Bikes. Dann rein in die warme Stube. Kaum mache ich Tür zur Gaststube auf, kommt ein riesiger Schrei Hallo Armin. Dort sitzen Peter und Mandy, die an diesem Tag früher als ich von Mayrhofen losgefahren sind, seit 15:00 Uhr und trinken Roten. Also wird heute erst Rotwein getrunken und hinterher vielleicht gewaschen. Um 21:00 lassen Peter und Mandy sich nicht abhalten und fahren noch ins Tal nach St Jakob. Ich gehe dann, vom Wein müde, waschen und dann ins Bett.
Pfitscher Joch im Abendrot
4
Tag Dienstag
Früh
morgens ist herrliches Wetter und eine glasklare Sicht. Es ist kalt. Nach ein paar Fotos
geht es hinab ins Pfitscher Tal bis nach Fussendross. Der Anstieg zum Pfunderer Joch ist
steil. Nach einer Stunde Anstieg beschließe ich öfters zu schieben, weil ich sonst
zuviel Kraft verbrauchen würde. Die zwei Radspuren vor mir zeigen mir jedoch, daß ich
nicht fit genug bin. Ärger über meine Unzulänglichkeit kommt auf. Auf Höhe der
Großbergalm sehe ich die zwei Radfahrer. Sie machen Pause. Als ich mit Jörg und Frank
ins Gespräch komme, erfahre ich, das sie selbst oft geschoben haben und zwei andere,
nämlich Peter und Mandy, gefahren sind. Da ich nicht der einzige bin, der geschoben hat,
lässt der Ärger nach. Der Weg von der Großbergalm zum Pfunderer Joch ist in der Sonne
in alpiner Umgebung schön zu fahren. Vor dem Schotterfeld zum Joch sehe ich Radfahrer
hinter uns kommen. Sie sind ca 20 min entfernt. Als ich im Joch angekommen bin, ist der
erste Fahrer nur noch 3 min hinter mir. Ich kann es kaum glauben: Überall, wo es eng und
steil war und ich geschoben habe, fährt der erste Fahrer locker hinauf. Das muß ich
fotografieren. Hinterher erfahre ich, das es der Südtiroler Tobias Fischnaller ist, ein
Bekannter von Kurt und guter MTB Fahrer. Er führt eine Gruppe von Ramsau nach Venedig.
Das
Pfunderer Joch ist der höchste Punkt der Transalp auf 2568 m. Hier ist es kalt, ca 8°C,
und es liegen noch Schneereste. Also schnell noch ein Foto und nichts wie 1800 HM runter
ins Pustertal! Bis zur Weitenbergalm ist vieles fahrbar, aber ich schiebe oft, da ich mich
heute nicht ganz sicher fühle. Auf dem Weg treffe ich Fank und Jörg wieder und wir
trinken in Kiens erst einmal Kaffee. Dann weiter zum Etappenziel St Lorenzen Ortsteil
Stefansdorf zur Unterkunft Pichlerhof.
![]() |
|
| 20 m vor dem Pfunderer Joch | Pfunderer
Joch |
5.Tag Mittwoch
Über Maria Saalen oberhalb des Gaderbaches geht es auf der Teerstraße über Enneberg nach St. Vigil. Das Wetter ist sonnig, aber sehr dunstig. Ich bin allein und genieße die Stimmung. Am Straßenrand mähen Bauern die steilen Wiesen. In St Vigil mache ich Pause und trinke heiße Schokolade. Ich habe festgestellt, daß sie gut für meinen Magen ist und schnell ins Blut übergeht. Auf der Weiterfahrt treffe ich noch einen Transalpfahrer und unsere Wege trennen sich an der Pederühütte. Beim Anstieg zur Faneshütte herrscht eine Gluthitze. Es entsteht aufgrund der Hitze bei mir eine Gesichtsfeldverengung und kurz vor der Hütte steige ich ab und schiebe. An der Hütte angekommen wird erst Rast gemacht und dann Mittag gegessen. Nach einer Stunde geht es weiter zur Fanesalm. Dort lege ich mich in die Sonne und genieße den Bergblick. Dann geht es über Wanderwege und steile Stufen zur Capanna Alpina. Hier auf der Teerstraße nach Stern in das Bikehotel Diana. Kaum dort angekommen, regnet es.
Stufen im Fanes
6
Tag Donnerstag
Es
regnet immer noch. Nach kurzer Rücksprache mit Familie Tirel vom Hotel Diana entschließe
ich mich, nicht über das Kreuzkofeljoch, sondern auf der Straße über das Grödnerjoch
zu fahren. Der Anstieg ist nicht besonders anstrengend, aber das Wetter ist regnerisch,
kalt und neblig. Mittags bin ich oben. Nach einer kurzen Mittagspause im Restaurant geht
es abwärts. Beim Abstieg nach Wolkenstein klappern mir die Zähne, da ich zu faul gewesen
bin, die lange Hose anzuziehen. In Wolkenstein und St Ullrich mache ich Pause zum
Aufwärmen. Dann geht am Pufler Bach entlang auf die Seiseralm. Der Anstieg ist teilweise
steil, aber mit einigen kurzen Pausen auch mit 11 28 gut zu schaffen. Die Wolken
liegen kurz oberhalb der Seiseralm, so daß man vom Langkofel, Rosengarten und Schlern
nichts sieht. Da ich hier kein Zimmer vorbestellt habe, finde ich erst im zweiten Anlauf
Unterkunft im Hotel Sonne. Nach Sauna, Baden und Abendessen gehe ich müde ins Bett.
7.Tag
Freitag
Morgens um halb acht liegt Tau auf den Gräsern, die Luft ist kühl, die Sicht glasklar und die Sonne scheint vom blauen Himmel. Die Stimmung ist bei diesem Wetter hervorragend. Über Kompatsch und Molignonhaus geht es zum Mahlknechtjoch. Dort, auf dem Weg Nr 4, bei grandioser Sicht auf Sella, Plattkofel, Seiser Alm, Ötztaler Alpen, Schlern, Rosszähne, Rosengarten, nur die Marmolata liegt in Wolken, komme ich wegen der Sicht kaum voran. Obwohl der Weg oft fahrbar ist, bleibe ich ständig stehen und kann mich nicht satt sehen. Die Wanderer sind erstaunt über mein Auftauchen, zeigen aber Verständnis. Sollten hier mehr Biker fahren, könnte ich mir vorstellen, daß der Weg für Fahrräder gesperrt wird. An der Plattkofelhütte steige ich auf den nächsten Grasberg, döse eine Stunde in der Sonne und genieße die Stimmung. Dann wird es jedoch Zeit für die Weiterfahrt. Kurt hatte den Weg beschrieben. Also runter über das Rif. Micheluzzi nach Campitello im Fassatal. Der Abstieg ist teilweise sehr steil und mit viel Schieben verbunden. Sogar vom Rifugio kann ich es nicht laufen lassen, sondern fahre an den steilen Abschwüngen langsam hinunter. Von Campitello geht es links am Bach nach Vigo di Fassa und von dort zum Karerpaß. Hier treffe ich Flavio. Er kommt aus St Ullrich, hat sein Auto nach Deutschnofen gebracht und fährt mit dem Renner zurück. Als wir im weiteren Verlauf Tiers erreichen, setzen wir uns dort an den Brunnen und erzählen eine halbe Stunde. Dann fährt er nach Hause und ich weiter nach Steinegg. Der Anstieg von Breien ist zu steil (die Wand) und schon ab den Leitplanken muß ich schieben. Ich nehme mir vor 11-28 gegen 11-32 auszutauschen. Es wird jedoch so steil, daß ich sogar mit dem Schieben Probleme habe. Wie kann man so etwas fahren? Bei Kurt im Steineggerhof angekommen, wird erst ein Weißbier getrunken. Das Abendessen ist hervorragend, aber von der Tour müde gehe ich zeitig ins Bett.
Blick vom Weg Nr 4 zum Tierser Alpl
Joch
8.Tag
Samstag
Kurt
hat mir die Eggentalrunde empfohlen. Eine schöne Runde. Das Höhenprofil ist größer,
jedoch erinnert sie mich etwas an meine Touren im Harz. Das Wetter ist sonnig und schwül.
Ab Bozen treffe ich auf einen Italiener, der die gleiche Route fährt. Also erspare ich
mir das lästige Suchen und wir fahren die halbe Runde zusammen. Am Spätnachmittag bin
ich zurück bei Kurt. Es zieht ein Wetter auf. Ich sitze jedoch schon im Trockenen und
lasse die Transalp ausklingen. Morgen geht es die 13 km nach Bozen und mit dem Zug nach
Einbeck nach Hause. Ich könnte noch eine weitere Woche so fahren, aber Montag muß ich
denn doch wieder arbeiten.
Aussichtspunkt Rotwand.
9.Tag
Sonntag
Abreise.
Im Zug von München treffe ich einen Biker, der mich schon im Pfitscher Jochhaus gesehen
hat. Er ist mit einer geführten Gruppe von Ramsau nach Venedig gefahren. Wir erzählen
von unseren Touren und so vergeht die Zeit bis Göttingen, wo mich meine Frau bei
strömendem Regen vom Bahnhof abholt. Es ist einiges, was der Körper auf solch einer Tour
leistet. Trotz gutem und reichlichem Essen wiege ich, zu Hause angekommen, einen Kilo
weniger als vor der Fahrt. Da die Tour soviel Spaß gemacht hat, beschließe ich, so etwas
noch einmal allein zu machen. Mal sehen, wohin mich dann die nächste Reise führt.
Armin
Fried